Suche
Suche Menü

Corona – wie Selbstständige und Unternehmen jetzt die Liquidität sichern können


Eine große Herausforderung für Selbstständige und Unternehmen in Zeiten der Krise ist den Laden am Leben zu halten. Die ersten Blicke gehen auf die Ausgaben.
Aber natürlich muss das Augenmerk auch darauf gerichtet sein, Geld in die Kassen zu bringen.
(Stand 22.03.2020, aktualisiert 23.03.2020)

Ausgaben senken

Einkäufe zurückstellen, mit Lieferanten Teillieferungen und Teilzahlungen bzw. Stundungen zu vereinbaren, sind die einfachen Maßnahmen.

Personalkosten sind ein heikles Thema. Mitarbeiter sind ein wichtiges Gut in jedem Betrieb. Entlassungen sind in der Regel nicht der Königsweg. Wenn die Wirtschaft wieder anläuft, werden die Mitarbeiter wieder dringend benötigt. Individuelle Vereinbarungen und die vom Gesetzgeber jüngst verbesserten Möglichkeiten der Kurzarbeit (siehe auch unseren Artikel zur Kurzarbeit) dürften in vielen Fällen die bessere Lösung sein, wenn Einsparungen notwendig sind.

Mieten sind für viele ein großer Kostenfaktor.
Die Corona Krise, Betriebseinschränkungen oder Schließungsanordnung haben grundsätzlich keinen Einfluss auf laufende Mietverhältnisses und Mietverbindlichkeiten!
Da hilft es nur, mit dem Vermieter zu reden!
Vermieter sind i.d.R. unternehmerisch tätig und werden daher für die Nöte der Mieter Verständnis haben.
ABER: Vermieter sind i.d.R. unternehmerisch tätig, haben Kosten und sind auf die Einnahmen angewiesen.
Ein Vermieter wird daher eher bereit sein, über eine Teilzahlung, Stundung oder ggfs. einen Teilerlass zu reden, wenn ihm gleichzeitig etwas angeboten wird.

So sollten verbrauchsunabhängige (Neben-)Kosten der Mietsache möglichst vollständig weitergezahlt werden. Im Mindestmaß sollten Teilzahlungen auf die Kaltmiete angeboten und gezahlt werden.

Regelmäßig hilft ein frühes Wort mehr als eine Reaktion auf die dritte Mahnung.

Denken Sie beim Thema Miete nicht nur an Raummiete, sondern auch an Maschinen und die Leasingverträge.

Steuerzahlungen zurückstellen hilft, Liquidität zu erhalten.

Grundsätzlich orientieren sich Steuervorauszahlungen an den Werten aus der Vergangenheit. Wenn Umsätze ausfallen und Gewinne offensichtlich nicht generiert werden können, sind die vorgesehenen/festgesetzten Vorauszahlungen offensichtlich zu hoch.

Unternehmer sollten daher umgehend mit dem Steuerberater oder direkt mit dem Finanzamt über eine Reduzierung der Vorauszahlungen reden.

Das Bundesfinanzministerium hat neue, vereinfachte und kurzfristig greifende Maßnahmen angekündigt, um Unternehmen in der Krise zu helfen.

Steuerstundung

Steuerzahlungen auf Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Umsatzsteuer können vereinfacht -befristet und zinsfrei- gestundet werden. Anträge können bis 31.12.2020 gestellt werden. Es muss dargelegt werden, dass das Unternehmen unmittelbar betroffen ist. Der Wert der Schäden muss im Einzelnen nicht belegt werden.


Das Problem nach dem BMF-Schreiben vom 19.03.2020:

Die vereinfachte Regelung soll nur für die „nachweislich unmittelbar und nicht unerheblich betroffenen Steuerpflichtigen“ gelten.

Das Schreiben sagt auch nichts zu den Regelungen hinsichtlich der Umsatzsteuer.

Anpassung von Vorauszahlungen

„Unternehmen, Selbständige und Freiberufler können außerdem die Höhe ihrer Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer anpassen lassen. Gleiches gilt für den Messbetrag für Zwecke der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen. . Hierfür können sie bei ihrem Finanzamt einen Antrag stellen. Sobald klar ist, dass die Einkünfte der Steuerpflichtigen im laufenden Jahr voraussichtlich geringer sein werden als vor der Corona-Pandemie erwartet, werden die Steuervorauszahlungen unkompliziert und schnell herabgesetzt. Die Liquiditätssituation wird dadurch verbessert.“ (Quelle. Bundesfinanzministerium BMFi)

Für die Gewerbesteuer gilt Vergleichbares.

Nach einem Erlass der obersten Finanzbehörden der Länder vom 19.03.2020 können die Finanzämter eine Anpassung der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen veranlassen.
Daher „können nachweislich unmittelbar und nicht unerheblich betroffene Steuerpflichtige bis zum 31. Dezember 2020 unter Darlegung ihrer Verhältnisse Anträge auf Herabsetzung des Gewerbesteuermess-betrages für Zwecke der Vorauszahlungen stellen. Diese Anträge sind nicht deshalb abzulehnen, weil die Steuerpflichtigen die entstandenen Schäden wertmäßig nicht im Einzelnen nachweisen können. Nimmt das Finanzamt eine Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrages für Zwecke der Vorauszahlungen vor, ist die betreffende Gemeinde hieran bei der Festsetzung ihrer Gewerbesteuer-Vorauszahlungen gebunden (§ 19 Abs. 3 Satz 4 GewStG).“

Bitte beachten Sie:

Etwaige Stundungs- und Erlassanträge im Zusammenhang mit der Corona Krise sind an die Gemeinde zu richten (, falls nicht ausnahmsweise das Finanzamt zuständig ist).

Kleine Übersetzung:
Die Stundung oder der Erlass fälliger Beiträge geht über die Einzugsstelle, in der Regel die Gemeinde. Die Anpassung zukünftiger Vorauszahlungen geht über das Finanzamt.

Kredite und Zuschüsse

Selbstständige und Unternehmen brauchen Geld. Die Politik hat angekündigt einfach und schnell mit Krediten zu helfen.

Wegen der angekündigten Kredite fehlt es Stand heute (22.03.2020) größtenteils noch an der Umsetzung.
Eine Übersicht über die Maßnahmen der KfW hat das BMFi auf einer Seite „Milliarden-Hilfsprogramme für alle Unternehmen“ zusammengestellt.


Die Sächsische Aufbaubank (SAB) hat am 23.03.2020 die Antragstellung für das Sonderprogramm des Freistaates Sachsen Sachsen hilft sofort für Einzelunternehmer (Solo-Selbständige), Kleinstunternehmen und Freiberufler in Sachsen, mit einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanz bis zu 1 Mio. EUR freigeschaltet.
Es sollen zinslose Kredite von 5.000 € bis 50.000 € (im Einzelfall bis 100.000 €) bei einer Laufzeit von 10 Jahren gewährt werden.
Einzelheiten finden Sie hier

Aussagen und Ankündigungen zu den voraussichtlich notwendig werdenden Zuschüssen finden sich selten.

Stand heute (22.03.2020) scheint nur Bayern Zuschüsse als Soforthilfe zu zahlen. Je nach Betriebsgröße sollen von 5.000 € (bis zu 5 Erwerbstätige) bis zu 30.000 € (bis zu 250 Erwerbstätige) gezahlt werden.

[Zur Berechnung der Umrechnung von Teilzeitkräften und 450 Euro-Jobs in Vollzeitäquivalente für die Soforthilfe in Bayern:

  • Mitarbeiter bis 20 Stunden = Faktor 0,5
  • Mitarbeiter bis 30 Stunden = Faktor 0,75
  • Mitarbeiter über 30 Stunden = Faktor 1
  • Mitarbeiter auf 450 Euro-Basis = Faktor 0,3]

TIPP:
Wenn es um Kredite und Liquiditätsbeihilfen geht, sprechen Sie auch mit ihrer Hausbank. Die kann im Zweifelsfall schneller helfen und Raten reduzieren oder zurückstellen und Kredite zeitweise tilgungsfrei stellen.
Auch werden Mittel über die staatlichen Förderbanken oft über die Hausbanken ausgekehrt, weshalb diese der Ansprechpartner für die Wirtschaft sind.
REINHARD RECHTSANWÄLTE Fachanwälte Arbeitsrecht, Familienrecht, Sozialrecht, Verkehrsrecht in Leipzig hat 4,87 von 5 Sternen 74 Bewertungen auf ProvenExpert.com